Amazon erhält Patent für Liefer-Drohnen zur Überwachung

Liefer-Drohnen zur Überwachung

Bereits vor 4 Jahren hat Amazon ein umstrittenes Patent beantragt, das in den USA nun endlich genehmigt wurde. Es sieht vor, Liefer-Drohnen zur Überwachung von Häusern einsetzen zu können. Kritiker schlagen Alarm und warnen vor Big Brother-Maßnahmen.

Bei Amazon beruhigt man allerdings: der Datenschutz sei gewährleistet, überwacht werden nur genehmigte Zonen mit ausdrücklicher Erlaubnis des Besitzers.

Nicht das erste Drohnen-Patent für Amazon

Das Patent von Amazon, mit dem Liefer-Drohnen zur Überwachung von Häusern umfunktioniert werden können, ist allerdings keine neue Idee. Das Unternehmen hat das Patent 2015 eingereicht, bloß wurde es erst jetzt – knapp 4 Jahre später – gewährt.

Das übrigens im selben Monat, in dem die US-Flugaufsichtsbehörde FAA dem Unternehmen die Erlaubnis erteilte, seinen Lieferservice zu testen. Zudem hat Amazon auch kürzlich erst ein System für die Verkehrssicherheit von Drohnen vorgestellt.

Amazon ist also ganz dick involviert im kommenden Drohnen-Business. Seit Amazon mit der Arbeit an der Warenauslieferung per Drohne begonnen hat – einer Technologie, die das Potenzial hat, die Lieferkosten zu beeinflussen und die Vertriebsmodelle von Konsumgütern dramatisch zu verändern – wurden zahlreiche Patente angemeldet, von denen viele zunächst seltsam erscheinen. 

Es gibt ein Patent für Drohnen, die per Gedanken gesteuert werden, ein Patent, um die Fremdsteuerung von Lieferdrohnen zu verhindern, ein Patent, um Ladestationen auf Straßenlaternen zu bauen, ein Patent, um Elektroautos mit Drohnen aufzuladen und einen riesigen Zeppelin als Lagerhaus in der Luft. Dieses Patent für Liefer-Drohnen zur Überwachung scheint da im Vergleich nur zu realistisch und anwendbar. 

Kritiker warnen vor Überwachung im Stil von Big Brother

Natürlich waren die Kritiker bei der Gewährung dieses Patents nicht weit. Lautstark warnten sie in Online-Foren, auf Twitter oder Blogs wie z.B. Amazon-Watch vor den Folgen des Patents. Die Befürchtung lautet, dass die Liefer-Drohnen zur Überwachung unerlaubterweise Daten sammeln und an Amazon weitergeben konnten.

Datenschützer merken an, dass Amazon seit langer Zeit das Geschäftsmodell verfolgt, mit der Sammlung und Auswertung von sensiblen Daten Geld zu verdienen. Das Spracherkennungssystem Alexa etwa lauscht jederzeit mit und in den Geschäftsbedingungen stimmen Nutzer explizit zu, dass Alexa mittels Mikrofon gemachte Aufnahmen speichern und an Amazon schicken darf.

Natürlich würde dies nur anonymisiert und zu Optimierungszwecken des Programmes genutzt werden. Kritiker bezweifeln dies allerdings stark und weisen auf die Gefahr hin, dass diese Daten auch von Dritten zweckentfremdet werden könnten.

Sind die Ängste berechtigt? Amazon beruhigt und verweist auf Datenschutz

Bei all dieser Kritik stellt sich natürlich die Frage, ob es sich hier wirklich um ein weiteres Zeugnis für den Datensammlungs-Wahn von Amazon handelt. Tatsächlich scheint es allerdings so, als könnten sich Hausbesitzer entspannen – die Sorgen sind unbegründet.

Amazon hat bloß vor, seinen Kunden in naher Zukunft auch die Überwachung des Eigenheims als Dienstleistung anzubieten. Vom zuständigen Amazon-Abteilungsleiter John Tagle hieß es in einem Interview mit Fortune dazu, dass viele Falschmeldungen durch die Medien gewandert seien.

So hätten viele Berichte den fälschlichen Eindruck entstehen lassen, dass die Aufnahmen ohne Zustimmung des Grundstücksbesitzers gemacht würden – dies ist allerdings inkorrekt. „Das Patent besagt eindeutig, dass es sich um einen Opt-in-Service handeln würde, der Kunden zur Verfügung steht, die die Überwachung ihres Hauses autorisieren,“ führt Tagle weiters aus.

Wie das Amazon Patent aussieht & was es besagt

Diese Zeichnung findet sich im öffentlich einsehbaren Patenteintrag, der nunmehr genehmigt wurde. Wie aus der obigen Abbildung hervorgeht, ist die Technologie so konzipiert, dass sie nur auf bestimmte Standorte ausgerichtet ist und die Privatsphäre der angrenzenden Objekte gewahrt bleibt, was die Aussage Tagles untermauert.  Amazon kaufte im vergangenen Jahr das Unternehmen Ring (ehemals DoorBot), was auf eine Synergie im Produktangebot hindeuten könnte.

Fraglich, ob Amazon Liefer-Drohnen zur Überwachung so noch nutzen will

Oder vielleicht bedeutet es gar nichts – die vier Jahre seit der Patentanmeldung haben viele wichtige Änderungen an Amazons Plänen für seine Liefer-Drohnen gebracht. 

Die Idee der Überwachung ist vielleicht nicht realistischer als das Patent für Drohnen, die auf Straßenlaternen aufgeladen werden…

Christian Brandstötter MMSc ist freiberuflicher Autor und Blogger aus Niederösterreich. Wenn er nicht über spannende neue Anwendungsfälle von Drohnen berichtet, schreibt er über Blockchain-Technologie, digitale Vermögenswerte und innovative Software.

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