LANDWIRTSCHAFT UND FORSTWIRTSCHAFT

Drohnen gegen Ratten: Galapagos-Inseln bekämpfen Rattenplage

Drohnen gegen Ratten Galapagos Rattenplage

Wo auch immer Ratten auftauchen, gern gesehene Gäste sind sie nur in den seltensten Fällen. Mancherorts verursachen sie allerdings besonders große Probleme. So etwa auf den Galapagos-Inseln, wo sie artgeschützte Vögel gefährden. Darum geht man hier jetzt mit Drohnen gegen Ratten vor.

Drohnen verbreiten Rattengift und sollen die große Artenvielfalt der pazifischen Inselgruppe sichern.

Galapagos-Inseln als Naturjuwel und Heimat bedrohter Vogelarten

Die Galapagos-Inseln liegen im Pazifischen Ozean, etwa 1000 Kilometer vor der Küste von Ecuador. Das Archipel besteht aus 18 Hauptinseln, drei kleineren Inseln und 100 kleinen Steininseln, die insgesamt eine Fläche von knapp 7800km² ausmachen.

Seit den Forschungsreisen des Evolutionsforschers Charles Darwin, der an den hier ansässigen Darwin-Finken seine Theorie begründete, ist die vielfältige Tierwelt der Inselgruppe bekannt. Ornithologen aus aller Welt schätzen die Galapagos-Inseln für die einzigartige Vielfalt an leider teils gefährdeten Vogelarten, die hier ihre Heimat gefunden haben.

Genau diese Vogelarten sind es, die durch die rasche Verbreitung der Ratten gefährdet sind. Darum schreitet man in Galapagos nun mit technischer Unterstützung zur Tat.

Drohnen gegen Ratten: Giftbomben werden aus dem Flug abgeworfen

Die Vorgehensweise klingt dabei natürlich brutal, ist allerdings verständlich, wenn man damit bezwecken will, die ansonsten vom Aussterben bedrohten Vogelarten zu schützen.

Die Regierung Ecuadors kooperierte mit Island Conservation, einer amerikanischen Non-Profit-Organisation, um eine Lösung zu finden. Diese fanden sie in der speziellen Entwicklung von Sechs-Rotor-Drohnen, die bei jedem Flug riesige 20kg-schwere Rattengift-Pellets abwerfen.

Die Drohnen werden von einem Boot in der Nähe der Insel gestartet und fliegen autonom auf einer vorprogrammierten Route und lassen dabei Pellets fallen. Insgesamt wurden 3.000 Kilogramm Rattengift für die Ausrottung produziert, so eine Pressemitteilung.

Drohnen-Einsatz im Vergleich mit manueller Ausbringung durch Ranger

Dabei ging man methodisch durchdacht vor, um die Effektivität dieser neuartigen Art von Rattenbekämpfung zu messen. Bisher wurde das Rattengift entweder manuell durch Ranger ausgebracht oder per Hubschrauber abgeworfen.

Das der Einsatz von Hubschraubern mit höheren Betriebs- und Personalkosten einhergeht, liegt auf der Hand. Darum wählte man für den erstmaligen Einsatz ein Testgebiet, teilte dies in zwei gleichgroße Bereiche.

Die eine Hälfte wurde mit Drohnen, die andere Hälfte von Rangern bearbeitet. Der Vergleich brachte Klarheit: die Drohnen erwiesen sich als effektiver und rentabler als die manuelle Ausbringung. Auch insgesamt ist man mit dem Einsatz sehr zufrieden.

Drohnen verbreiten Rattengift mit großem Erfolg

Nach offiziellen Berichten haben die Maßnahmen dabei Früchte getragen. Nach Angaben des Teams ist der Nagetierbefall fast vollständig von der Insel verbannt. Darum äußert ein Sprecher von Island Conservation auch die Hoffnung, dass das System auch in anderen Bereichen eingesetzt werden kann.

„Du kannst eine Drohne nehmen und sie zusammenpacken und in ein Flugzeug setzen und damit überall auf der Welt hinreisen“, sagte Chad Hanson, der Projektleiter von Island Conservation, gegenüber Wired. „Das ermöglicht auch den Einsatz auf einer Vielzahl von Inselgruppen, der in der Vergangenheit nicht realisierbar war.“

Ratten haben die Galapagos-Inseln schon öfters geplagt

Wie Galapagos Conservancy berichtet, wurden die ersten Probleme durch die versehentliche Einschleppung Ratten im 16. und 17. Jahrhundert verursacht. In den 1990er Jahren wurden dann auf mehreren Inseln besonders große Rattenplagen mit teils guten Erfolgen bekämpft. Warum sind die Ratten allerdings überhaupt eine Gefahr für andere Tierarten?

Die Ratten essen die Eier von einheimischen Vögeln und Schildkröten, die typischerweise auf dem Boden liegen. Da es nicht ausreichend natürliche Raubtiere auf den Galapagos-Inseln gibt, die die Ratten bekämpfen würden, konnten sich die Nagetiere praktisch ungestört ausbreiten. So haben sie auch die Anzahl an Riesenschildkröten reduziert, die ebenfalls durch die Arbeit von Charles Darwin berühmt geworden sind.

Bekämpfung invasiver und Überwachung gefährdeter Arten – Drohnen für den Tierschutz

Effektiver Tierschutz per Drohne kann eben auf zwei Arten stattfinden. Dabei geht es nicht nur um den Schutz von gefährdeten Tierarten (z.B. Delfinen und Koalas oder Nashörnern), sondern auch schon mal um den zielgerichteten Kampf gegen invasive Spezies wie in diesem Fall die Ratten.

 

Einen ähnlichen Einsatz von Drohnen für den Tierschutz gibt es in Neuseeland. Hier werden Opossums – ebenfalls sich rasch vermehrende Nagetiere – gezielt mit Drohnen getötet, um das restliche Wildleben zu schützen.

Christian Brandstötter MMSc ist freiberuflicher Autor und Blogger aus Niederösterreich. Wenn er nicht über spannende neue Anwendungsfälle von Drohnen berichtet, schreibt er über Blockchain-Technologie, digitale Vermögenswerte und innovative Software.

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