LOGISTIK

Lärmbelästigung durch Drohnen-Tests: Lieferdrohnen nerven Bewohner

Lieferdrohnen Lärmbelästigung durch Drohnen-Tests

Um den Kundenwünschen nach immer kürzeren Transportzeiten nachzukommen, arbeiten viele Unternehmen an der Entwicklung von autonomen Lieferdrohnen. So auch das zur Google-Mutter Alphabet gehörende Unternehmen Wing. In Australien sieht sich das Unternehmen jetzt mit Vorwürfen der Lärmbelästigung durch Drohnen-Tests konfrontiert.

Viele Bewohner des Ortes Bonython fühlen sich vom Drohnenlärm belästigt und fordern ein sofortiges Ende der Tests.

Bürgerinitiative soll Lärmbelästigung durch Drohnen-Tests ein Ende setzen

In der Bevölkerung regt sich bereits großer Widerstand. Bewohner der beschaulichen 4000 Einwohner Gemeinde formieren sich in der Bürgerinitiative „Bonython against Drones“ und wollen gegen Wing aktiv machen.

Auf ihrer Webseite veröffentlichte die Bürgerinitiative ein 1-minütiges Video, das zeigt, wie „Drohnenlieferungen einen friedlichen Nachmittag stören“. Dabei sieht man unter lautem Surren eine Drohne im Anflug, ehe sie ihre Ladung abseilt und nach kurzer Zeit wieder davonfliegt. Nach eigenen Angaben hat man sich das Ziel gesetzt „die Drohnen und ihr Störpotenzial für die Ruhe und Idylle unseres Ortes und Umwelt zu stoppen“.

Rasche Essenslieferungen durch Abseilen von Essensbehältern

Eigentlich bieten die Drohnen den Bewohnern einen hohen Komfort. Denn die Essenszustellung per Drohne kann nun innerhalb von wenigen Minuten erfolgen. Jeder im Umkreis von 10km einer Lieferbasis kann seine Mahlzeit direkt nach Hause geliefert bekommen.

Besonders schnell geht der Vorgang, weil die Drohne von Wing mit einem interessanten Liefervorgang arbeitet. Die Drohne hat einen mit einem Seil montierten Essensbehälter, in dem die fertige Mahlzeit verstaut wird. Mittels GPS-System und eingebauter Kamera navigiert die Drohne vollautonom an ihr Ziel. Dort angekommen schwebt die Drohne in knapp 7 Meter Höhe während das Paket abgeseilt und selbstständig ausgeklinkt wird.

Viele Ausnahmegenehmigungen für Drohnen-Tests erteilt

Nicht nur die Bewohner, sondern auch von öffentlicher Seite wird die Lärmbelästigung durch Drohnen-Tests kritisch hinterfragt. Die für den Distrikt zuständige Parlamentsabgeordnete Gai Brodtmann fordert eine unabhängige Untersuchung des Einsatzes sowie der zahlreichen erteilten Sondergenehmigungen.

Darum hat sie bereits einen entsprechenden Antrag im Parlament eingebracht. Sie gibt an, dass sie die Vorzüge von Drohnen zum Tierschutz oder Rettungseinsätzen zwar verstehe, nicht allerdings für die getestete Zustellung von Mahlzeiten.

Wing: Bevölkerung müsse sich erst an neuartige Geräusche gewöhnen

Wing selbst versteht die Aufregung um seine Drohnen-Tests hingegen kaum. Stattdessen hat man eine eigene Argumentationslinie gefunden. Das Wall Street Journal zitiert den zuständigen Projektmanager des Unternehmens, Terrance Bouldin-Johnson. Er meint es handle sich bloß um „Geräusche, an die sich menschliche Ohren noch nicht gewöhnt haben“.

Berichte der Einwohner zeugen hingegen von einer ganz anderen Intensität der wahrgenommenen Störung. So berichtet ein Einwohner, dass er Panikattacken bekomme, weil ihn die Geräusche an seinen Einsatz im Vietnamkrieg erinnern. Andere hingegen vergleichen ihn mit dem Klang eines Formel 1-Boliden. Besonders kritisch sieht man die Tatsache, dass die Drohnen mit Kamera ausgestattet laufend über die Nachbarschaft fliegen.

Überfüllte Straßen, erhöhte Liefermengen: Lieferdrohnen als Zukunftshoffnung

Kein Wunder, dass auch Alphabet viel Geld in die Entwicklung von Lieferdrohnen investiert. Da der Online-Handel seit Jahren stetig wächst – und dies auch in Zukunft tun wird – ist ein regelrechtes Wettrennen um das großflächige Anbieten von Zustellung per Drohne ausgebrochen.

Auch Online-Gigant Amazon, der seine Kunden mit dem Premium-Lieferservice Amazon Prime zu massenhaften Online-Bestellungen verführt, ist seit längerem in das Rennen eingestiegen. In Anlehnung an seinen Lieferservice arbeitet man an autonomen Lieferdrohnen namens „Prime Air“.

Wer das Rennen machen wird? Es bleibt weiterhin spannend. Wenigstens für die Bewohner von Bonython ist Besserung in Sicht: Wing testet bald in einem anderen australischen Ort. Auch für Finnland hat man Drohnen-Tests in Planung.

Wie die Lärmbelästigung durch Drohnen-Tests in Bonython aufzeigt, müssen Liefergiganten wie Amazon nicht nur technische Hindernisse der Zustellung überwinden. Es wird auch einiges an Überzeugungsarbeit benötigen – oder wird der neugewonnene Komfort doch ausreichen?

Christian Brandstötter MMSc ist freiberuflicher Autor und Blogger aus Niederösterreich. Wenn er nicht über spannende neue Anwendungsfälle von Drohnen berichtet, schreibt er über Blockchain-Technologie, digitale Vermögenswerte und innovative Software.

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