LANDWIRTSCHAFT UND FORSTWIRTSCHAFT

Neue Studie: Bären können sich an Drohnen gewöhnen

An Drohnen gewöhnen Bären

Drohnen sind unerlässlich, wenn es darum geht, Beobachtungen von Tieren in natürlicher Wildbahn durchzuführen. Bisher war umstritten, ob das Surren von Drohnen die Tiere belästigt und stört. Eine neue Studie gibt nun allerdings Entwarnung: bei Bären konnte man feststellen, dass sich diese relativ rasch an die Anwesenheit von Drohnen gewöhnen.

Anhand der Stressreaktion der Bären konnte man feststellen, dass diese Toleranz auch über mehrere Monate bestehen bleibt.

In 3-4 Wochen entsteht dauerhafter Gewöhnungseffekt

Forscher an der University of Oxford haben nun in einer im Journal Conservation Physiology Studie herausgefunden, dass sich Bären an die Anwesenheit von Drohnen gewöhnen können. Die Studie trägt übersetzt den klingenden Namen „Bären gewöhnen sich an die wiederholte Exposition eines neuartigen stimulierenden, unbemannten Flugsystems“.

Frühere Forschungsergebnisse waren Anlass zur Sorge, da Tiere in der Nähe von Drohnenflügen Stressreaktionen zeigten. Mit Herzmessgeräten zur Messung von Stress haben die Forscher jedoch herausgefunden, dass Bären, die sich über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen an Drohnen gewöhnt haben, auch nach längerer Zeit einen Gewöhnungseffekt zeigen.

Stressreaktionen selten, wiederholte Drohnenexposition lindert Reaktion

Die Forschung zeigte auch, dass Bären nicht oft Verhaltensanzeichen von Angst wie etwa eine abrupte Flucht zeigen. Nur im Extremfall kommt dies vor – und da können die Reaktionen sehr heftig ausfallen. Es kann bis zur Vervierfachung der Herzschlagfrequenz kommen.

Gewöhnungseffekt blieb auch nach 4 Monaten noch bestehen

Das Experiment wurde an amerikanischen Schwarzbären durchgeführt, welche wiederholt der Anwesenheit von Drohnen ausgesetzt wurden. Anschließend verglich man die Daten der Toleranzniveaus der Bären während der anhaltenden und der längeren Zeit ohne Drohnenflüge.

Mit implantierten Herzfrequenzmessern (sogenannten „Biologgern“) maß das Team die Herzfrequenz von fünf gefangenen Bären vor und nach Drohnenflügen. Dann stoppten die Forscher die Drohnenflüge für exakt 118 Tage, bevor sie wieder aufgenommen wurden.

Das Ergebnis: Schwarzbären zeigten deutliche Anzeichen einer erhöhten kurz- und langfristigen Toleranz gegenüber Drohnen. Darüber hinaus wurde ihre Toleranz gegenüber den Flügen nach einer beinahe 4-monatigen Pause beibehalten.

Ergebnisse sind mit Vorbehalt und vorsichtig zu betrachten

Das Forscherteam legt allerdings wert darauf, auf die beschränkte Generalisierbarkeit der Ergebnisse hinzuweisen. Zum einen vermutet man, dass sich der Gewöhnungseffekt von Spezies zu Spezies unterscheidet. So ist es durchaus möglich, dass sich andere Tierarten weniger rasch oder weniger stark an die Fluggeräusche von Drohnen gewöhnen.

Zudem darf man nicht vergessen, dass es trotz Gewöhnungseffekt, nach wie vor eine reale Stressreaktion gibt. Und diese ist, sofern nicht unbedingt notwendig, stets zu vermeiden.

Der leitende Forscher der Studie, Mark Ditmer, merkt deswegen an: „Drohnenflüge in unmittelbarer Nähe von Wildtieren sollten ohne einen gültigen Zweck vermieden werden. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass der Einsatz von Drohnen im Naturschutz, z.B. bei Anti-Poaching-Patrouillen, ohne langfristige Folgen für den hohen Stress von Nutzen sein kann.“

Gute Nachrichten für den Einsatz von Drohnen zum Tierschutz

Die Ergebnisse der Studie sind Grund zur Freude für viele Forscher und Tierschutzorganisationen, die Drohnen zum Tierschutz und Artenschutz verwenden. In aller Welt helfen Drohnen dabei, den Wildbestand von Tierarten zu zählen und mögliche Gefahr durch Wilderer vorzeitig zu erkennen, oder zum Schutz von Fischbeständen.

Sie machen sich allerdings auch in aktiver Rolle zur Bekämpfung invasiver Tierarten bezahlt, welche drohen, gefährdete Tierarten zu töten oder deren Lebensraum zu zerstören. Dies betrifft etwa die Bekämpfung von Opossums in Neuseeland oder Ratten auf den Galapagos-Inseln.

Christian Brandstötter MMSc ist freiberuflicher Autor und Blogger aus Niederösterreich. Wenn er nicht über spannende neue Anwendungsfälle von Drohnen berichtet, schreibt er über Blockchain-Technologie, digitale Vermögenswerte und innovative Software.

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