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Organtransport per Drohne erfolgreich getestet

Organtransport per Drohne (C) Joseph Scalea

Beim Organtransport zählt jede Sekunde. Die Transportdauer kann über Leben und Tod entscheiden. Kein Wunder also, dass man nach effizienten Transportmöglichkeiten sucht. Grund zur Hoffnung macht eine neue Studie: Forscher in den USA haben den Organtransport per Drohne erfolgreich getestet.

Eine Niere wurde in kürzester Zeit und vollkommen intakt zwischen 2 Standorten transportiert.

DJI Matrice 600 Pro Hexacopter führt Transport durch

Forscher rund um den Chirurgen Joseph Scalea an der University of Maryland haben den Organtransport mit einer Niere getestet. Die Forscher nahmen eine handelsübliche DJI Matrice 600 Pro Drohne (Kaufpreis ca. 4.500 €).

Die Drohne wurde modifiziert, um eine gekühlte Box mit Ladung transportieren. Außerdem wurde ein Biosensor zur Überwachung des Zustands des transportierten Organs eingebaut.

Eine für ausreichend gesund, aber nicht für die Transplantation geeignete Niere wurde schließlich in 14 separaten Missionen über unterschiedliche Distanzen transportiert. Der weiteste Flug deckte dabei 3 Meilen, also knapp 4.8km ab – realistisch für den Transport zwischen innerstädtischen Spitälern. Biopsien der Nieren vor und nach Transport zeigten, dass die Niere in einwandfreiem Zustand blieb.

Perfekt für Transport zwischen innerstädtischen Krankenhäusern

Der Organtransport per Drohne eignet sich insbesondere überall dort, wo aufgrund von dichtem Verkehr bereits kürzeste Transportwege nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung durchgeführt werden können. Mit anderen Worten: große Städte, Mega-Cities.

Während Spezialtransporte per Auto in ländlichen Regionen absolut ausreichend sind, trifft das für große Städte nicht zu. Muss ein Spenderorgan rasch von Krankenhaus A nach Krankenhaus B gebracht werden, scheinen Drohnen die optimale Lösung zu sein.

Sie können autonom leicht einen Radius von 5-6km zurücklegen, völlig unbeeinträchtigt von Verkehrsproblemen und Staus. Gelingt eine vollautonome Steuerung, fällt sogar der Personaleinsatz weg, was Kosteneinsparungen bedeuten könnte.

Organtransport per Drohne: höhere Reichweite, mehr gerettete Leben

Der Organtransport per Drohne ist deswegen eine vielversprechende Einsatzmöglichkeit, weil vor allem noch zu entwickelnde, schnellere und größere Drohnen die Ischämie-Zeiten der Organe dramatisch reduzieren können. Die Ischämie-Zeit – so bezeichnet man die Zeit, die ein Organ von der Entfernung beim Spender bis zur Erwärmung und Anschluss an den Blutkreislauf beim Empfänger verbringen kann – ist nämlich sehr limitiert.

Kann man sie verkürzen, so führt dies zu erhöhter Organqualität bei Transplantation – und effektiv zu Tausenden geretteten Menschenleben.

Rechtliche Änderungen erforderlich?

Wäre ein Organtransport per Drohne in Österreich oder Deutschland bereits realisierbar? Die Antwortet lautet: nein. Denn aktuell stehen dem Organtransport noch rechtliche Auflagen im Weg. Dabei geht es in erster Linie um die autonome bzw. Steuerung der Drohne außerhalb des Sichtfeldes.

Nachdem sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Steuerung von Drohnen nur auf Sicht legal ist, müsste der Drohnenpilot die Drohne entlang der gesamten Flugstrecke im Blickfeld haben. Selbst bei kürzeren innerstädtischen Strecken zwischen 2 Spitälern wird dies nicht der Fall sein. Folglich wäre eine Änderung bzw. Ergänzung aktueller Bestimmungen erforderlich – wie sie in Indien bereits angedacht wird.

Indien überlegt Drohnen zum Organtransport zu nutzen

In Indien gibt es von politischer Seite Interesse, zwischen Krankenhäusern einen Organtransport per Drohne zu realisieren. So könnte es hier schon bald erste Pilottests zum Transport von Organen oder medizinischen Versorgungsgütern kommen.

Bei einer Ansprache vor Reportern in Neu Delhi verkündete Staatsminister für Zivilluftfahrt Jayant Sinha, dass die Regierung die Einrichtung von “Drohnenhäfen” in Spitälern prüfen lässt.

Anschließend setzte er fort, dass seine Regierung bereits an einer Ergänzung geltender Drohnenbestimmungen arbeite. Diese Ergänzung soll es erlauben, dass in einigen Gebieten Drohnen auch außerhalb des Sichtfeldes von Piloten fliegen dürfen. Dabei ziele man vor allem auf die Schaffung von Flugkorridoren zwischen Spitälern ab.

Christian Brandstötter MMSc ist freiberuflicher Autor und Blogger aus Niederösterreich. Wenn er nicht über spannende neue Anwendungsfälle von Drohnen berichtet, schreibt er über Blockchain-Technologie, digitale Vermögenswerte und innovative Software.

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