LOGISTIK

Pizza-Zustellung per Drohne – Prinzipiell möglich, in Österreich undenkbar?

TV-Bericht sorgt in Bludenz für Aufsehen

Pizza-Zustellung per Drohne

Vor zwei Jahren sorgte ein Bericht des Vorarlberger Fernsehsenders „LändleTV“ für Aufsehen. Darin wurde von einer mehrmonatigen Testphase der Pizza-Zustellung per Drohne in Bludenz berichtet. So hätten sich zwei Studenten der ETH-Zürich bei der Ausschreibung für ein von der EU-Kommission initiiertes Projekt zur Erprobung von Drohnen als Transportmittel von Kleinlasten durchgesetzt.

Die Aufregung war groß: sogar DerStandard erwähnte das kuriose Projekt kurzzeitig in seinem veröffentlichten Artikel über Pizza-Zustellungen per Drohne. Auch in Bludenz gingen die Wogen hoch, bis sich schließlich herausstellte, dass es sich bei dem Bericht um einen Aprilscherz handelte.

In einem Video mit dem Titel „Pizza Drohne in Bludenz – 1. April – Die Auflösung“ zeigten sich – sichtlich amüsiert- Bürgermeister Mandy Katzenmayer und der örtliche Pizzeriainhaber Avni Pllana. Sie verkündeten, dass die ganze Story bloß eine originelle Erfindung gewesen sei.

Pizza-Zustellung per Drohne – Prinzipiell machbar, in Österreich aber undenkbar

Tatsächlich ist dieser Aprilscherz aber nicht „aus der Luft gegriffen“. Denn in zahlreichen Ländern wird bereits mit der Pizza-Zustellung per Drohne experimentiert. Etwa in Neuseeland, wo sie der Pizzagigant Dominos nach mehrmonatigem Testbetrieb mittlerweile standardmäßig nützt.

In Österreich ist eine solche Liefer-Methode momentan allerdings (noch) nicht möglich. Doch warum? Es könnte doch eine komfortable und womöglich sparsamere Alternative zur mühsamen Zustellung mittels Pizzaboten sein.

Die Ursachen hierfür sind mehrerlei. Zum einen liegt dies an der herrschenden Gesetzeslage. Das aktuelle Luftfahrtgesetz verbietet den Einsatz von herkömmlichen Drohnen über bewohntem Gebiet (Flugverbotszonen gelten ebenso für Drohnen). Somit fallen bereits praktisch alle für die Pizzazustellung relevanten Gebiete weg. Darum muss für jeden Drohnenflug über bewohntem Gebiet eine eigene Freigabe der Austro Control eingeholt werden. Das heißt also, dass jede einzelne Pizza-Zustellung per Drohne eine separate Genehmigung benötigt – was den standardmäßigen Einsatz unmöglich macht.

Ein drittes Hindernis ist die Tatsache, dass solche Pizza-Zustellungen durch autonome Drohnen durchgeführt würden. In Österreich ist der Einsatz von autonomen Drohnen außerhalb der Sichtweite des Piloten („Fliegen auf Sicht“) allerdings verboten. Wohl das geringste Hindernis wären da ausreichend große Start- und Landeplätze. Diese wären erforderlich, um eine rasche und reibungslose Zustellung von Kleinfrachten wie Pizzen zu gewährleisten.

Die Möglichkeiten zum kommerziellen Einsatz von Drohnen als Transportmittel sind äußerst vielfältig. Man kann sie in Notfällen, zur Überwachung von entlegenen Krisengebieten, oder auch zum Medikamententransport einsetzen. Der Transport von Pizzen oder sonstigen Speisen ist bloß ein weiterer natürlicher und zukunftsträchtiger Einsatzbereich.

Voraussetzungen für kommerzielle Pizza-Zustellung per Drohne in Österreich

Damit eine Essenslieferung per Drohne in Österreich denkbar und legal wird, müssen allerdings eine Reihe von Maßnahmen erfolgen. Anschließend an die erwähnte Stelle des Luftfahrtgesetzes müsste es zunächst zu einer Änderung des Gesetzestextes kommen. Mittels Änderung könnte man den Einsatz von Drohnen in bewohntem Gebiet – wenigstens in nicht zu dicht besiedeltem Gebiet – ermöglichen. Hinzu kommen Flugverbotszonen, die auch für Drohnen gelten. Beispielsweise wäre nahezu gesamt Wien als Zustellort für Pizzen ausgeschlossen.

Außerdem müssten ausreichend breite und klar gekennzeichnete Start- und Landeplätze, sowie Flugkorridor vorhanden sein. Nur so können die Drohnen auch sicher in besiedeltem Gebiet bzw. in Straßen und Gassen fliegen. Der Transport wird natürlich von autonomen Drohnen durchgeführt, die eigenständig durch Straßen und Wege navigieren. Autonome Drohnen, die nicht auf Sicht geflogen werden, sind derzeit laut Austro Control Homepage „lediglich in Erprobung“.

Ob es aber auch tatsächlich zur Pizza-Zustellung per Drohne kommen wird ist fraglich. Bisher war Österreich in Sachen drohnen freundlicher Gesetzgebung eher ein Nachzügler. Auf hohe Sicherheit bedacht wird den vorteilhaften Aspekten des Drohneneinsatzes zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt bzw. kritisch gegenübergestanden.

Bis man seine Lieblingspizza mit der Drohne in den eigenen Garten zugestellt bekommt, wird man also noch zuwarten müssen.

Christian Brandstötter MMSc ist freiberuflicher Autor und Blogger aus Niederösterreich. Wenn er nicht über spannende neue Anwendungsfälle von Drohnen berichtet, schreibt er über Blockchain-Technologie, digitale Vermögenswerte und innovative Software.

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